Arteriosklerose beschreibt eine chronische Veränderung der Arterien, bei der sich über längere Zeit Ablagerungen in der Gefässwand bilden und somit die Gefässe verengen und ihre Elastizität reduzieren.
Diese Ablagerungen – sogenannte Plaques – bestehen aus verschiedenen Bestandteilen. Dazu gehören Lipide (Fette, insbesondere Cholesterin), Entzündungszellen des Immunsystems, die auf Reize oder Schäden in der Gefässwand reagieren, sowie Bindegewebe, das der Körper zur Stabilisierung der betroffenen Stelle bildet. Im weiteren Verlauf können sich auch Kalziumablagerungen bilden, die die Gefässwand zunehmend verhärten und ihre Elastizität verringern.
Mit zunehmender Ausprägung können diese Plaques die Gefässe verengen und ihre Elastizität reduzieren. Dadurch wird die Durchblutung eingeschränkt.
Arteriosklerose gilt als eine der wichtigsten Ursachen für Erkrankungen wie:
- Herzinfarkt
- Schlaganfall
- periphere arterielle Verschlusskrankheit
Die Erkrankung entwickelt sich meist über viele Jahre oder Jahrzehnte hinweg und bleibt lange unbemerkt.
Wie entsteht Arteriosklerose?
Heute gilt Arteriosklerose nicht mehr als reine „Fettablagerung“ in den Gefässen. Vielmehr handelt es sich um einen komplexen biologischen Prozess, an dem mehrere Mechanismen beteiligt sind. Ein zentraler Faktor sind chronische Entzündungsprozesse in der Gefässwand.
Wenn die innere Gefässschicht – das sogenannte Endothel – gereizt oder geschädigt wird, reagiert der Körper mit einer Immunreaktion. Immunzellen wandern in die Gefässwand ein und lösen dort entzündliche Prozesse aus. Diese Reaktionen sind Teil eines biologischen Reparatur- und Abwehrmechanismus des Körpers.
Im Verlauf können sich Lipide, Zellbestandteile und Bindegewebe in der Gefässwand ansammeln. Diese Veränderungen führen schrittweise zur Bildung von Plaques, welche die Gefässe verengen und ihre Funktion beeinträchtigen können.
Die klassische Cholesterin-Hypothese
Über viele Jahrzehnte wurde Arteriosklerose vor allem durch die sogenannte Lipid- oder Cholesterin-Hypothese erklärt.
Diese Hypothese entstand in den 1950er-Jahren und ging davon aus, dass:
- eine hohe Aufnahme von Fett und Cholesterin über die Ernährung die Cholesterinwerte im Blut erhöht
- erhöhte Cholesterinwerte zur Ablagerung von Cholesterin in den Arterien führen
- diese Ablagerungen schliesslich Arteriosklerose verursachen.
Auf Grundlage dieser Annahmen entstanden viele Ernährungsempfehlungen, die insbesondere eine Reduktion von Fett und gesättigten Fettsäuren empfahlen.
In der modernen Kardiologie wird weiterhin angenommen, dass erhöhte LDL-Cholesterinwerte ein wichtiger Risikofaktor für Arteriosklerose sind.
Gleichzeitig hat sich jedoch das Verständnis der Krankheit in den letzten Jahrzehnten deutlich erweitert.
Was Cholesterin eigentlich ist
Um die Diskussion besser zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Rolle von Cholesterin im Körper.
Cholesterin ist kein „Giftstoff“, sondern eine lebenswichtige Substanz, die der Körper selbst produziert. Es wird unter anderem benötigt für:
- Zellmembranen
- Hormone
- Vitamin-D-Produktion
- Gallensäuren für die Verdauung
Da Cholesterin – wie alle Fette – nicht wasserlöslich ist, kann es nicht frei im Blut transportiert werden. Deshalb wird Cholesterin im Körper in sogenannten Lipoproteinen transportiert – kleinen Transportpartikeln aus Fetten und Proteinen.
Die wichtigsten davon sind:
LDL (Low Density Lipoprotein) transportiert Cholesterin von der Leber zu den Zellen.
HDL (High Density Lipoprotein) transportiert überschüssiges Cholesterin zurück zur Leber.
Diese vereinfachte Darstellung sowie statistische Zusammenhänge zwischen LDL-Werten im Blut und Arteriosklerose haben zu den populären Begriffen „schlechtes“ und „gutes“ Cholesterin geführt. In Wirklichkeit ist das System deutlich komplexer.
Wenn im Alltag von „Cholesterinwerten“ im Blut gesprochen wird, ist damit meist das Cholesterin gemeint, das in diesen Lipoprotein-Transportpartikeln enthalten ist. Gemessen wird in der Regel die Menge an Cholesterin, die von LDL- oder HDL-Partikeln im Blut transportiert wird.
Die Interpretation dieser Werte – etwa die Annahme, dass bestimmte Lipoproteinwerte direkt das Risiko für Arteriosklerose widerspiegeln – stützt sich auf verschiedene wissenschaftliche Beobachtungen, darunter epidemiologische Studien, genetische Analysen und klinische Interventionsstudien. Gleichzeitig wird die genaue Rolle dieser Faktoren in der Entstehung der Erkrankung weiterhin diskutiert.

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Neue Perspektiven in der Arteriosklerose-Forschung
In den letzten Jahren haben Forschende begonnen, die Entstehung von Arteriosklerose differenzierter zu betrachten.
Standard-Bluttests messen in der Regel nicht die Anzahl der Lipoprotein-Transportpartikel selbst, sondern die Menge an Cholesterin, die sie enthalten. Neuere Forschung weist jedoch darauf hin, dass auch die Anzahl dieser Lipoproteinpartikel eine Rolle spielen könnte. Zwei Menschen können beispielsweise denselben LDL-Cholesterinwert haben, aber eine unterschiedliche Anzahl an LDL-Partikeln im Blut.
Zudem zeigen einige Studien, dass LDL-Cholesterin nicht einheitlich ist, sondern aus Partikeln unterschiedlicher Grösse, Dichte und Struktur besteht.
Ein Marker, der diese Partikelzahl näherungsweise widerspiegeln kann, ist Apolipoprotein B (ApoB). Da jedes dieser sogenannten atherogenen Lipoproteinpartikel – etwa LDL oder VLDL – ein ApoB-Molekül enthält, kann der ApoB-Wert Hinweise auf die Gesamtzahl dieser Partikel im Blut geben. Als „atherogen“ werden diese Partikel bezeichnet, weil sie in vielen Studien mit der Entstehung von Arteriosklerose in Verbindung gebracht werden. Man beobachtet beispielsweise, dass solche Partikel unter bestimmten Bedingungen in die Gefässwand gelangen und dort an Entzündungsprozessen beteiligt sein können.
Wichtig ist jedoch: Diese Zusammenhänge beruhen hauptsächlich auf Beobachtungen und statistischen Beziehungen. Sie zeigen eine Verbindung zwischen bestimmten Lipoproteinen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beweisen jedoch nicht zwangsläufig eine direkte Ursache.
Auch die Rolle von Cholesterin aus der Ernährung wird heute differenzierter betrachtet. Einige Studien zeigen, dass die Aufnahme von Cholesterin über die Nahrung häufig nur einen begrenzten Einfluss auf die Cholesterinwerte im Blut hat, da der Körper seine eigene Cholesterinproduktion teilweise regulieren kann.
Darüber hinaus rücken weitere Faktoren stärker in den Fokus der Forschung, die ebenfalls mit Entzündungsprozessen in der Gefässwand und der Plaquebildung in Zusammenhang stehen können, darunter:
- chronische Entzündung und Immunreaktionen
- Stoffwechselstörungen
- Blutzucker- und Insulinregulation
- oxidativer Stress
- Lebensstilfaktoren
Diese Erkenntnisse haben dazu geführt, dass Arteriosklerose heute zunehmend als multifaktorielle Erkrankung verstanden wird.
Eine solche Sichtweise kann auch erklären, warum Menschen mit ähnlichen Cholesterinwerten sehr unterschiedliche Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben können.
Kritische Perspektiven zur Cholesterin-Hypothese
Neben der klassischen Cholesterin-Hypothese gibt es auch Forschende und Wissenschaftlerinnen, die einzelne Aspekte dieser Theorie kritisch hinterfragen oder alternative Erklärungsmodelle diskutieren.
Eine der bekanntesten Stimmen in dieser Debatte ist Dr. Zoë Harcombe, die sich in mehreren Analysen mit der historischen Entwicklung von Ernährungsempfehlungen und der Rolle von Fett und Cholesterin in der Ernährung beschäftigt hat.
Harcombe untersuchte unter anderem die Studien, auf denen frühe Ernährungsempfehlungen in den USA und Grossbritannien basierten. In ihren Analysen argumentiert sie, dass diese Empfehlungen weitgehend auf epidemiologischen Beobachtungsstudien und der damals vorherrschenden Cholesterin-Hypothese beruhten. Randomisierte kontrollierte Studien – die in der Medizin als besonders aussagekräftig gelten – waren zu diesem Zeitpunkt nur begrenzt vorhanden und zeigten keinen eindeutigen Effekt auf die Gesamtsterblichkeit.
In ihren Analysen weist Harcombe zudem darauf hin, dass einige frühe Studienergebnisse später sehr weitreichend interpretiert wurden. Sie und weitere Kritiker dieser Interpretation argumentieren, dass aus den vorhandenen Daten teilweise stärkere Schlussfolgerungen gezogen wurden, als die statistische Evidenz ursprünglich nahelegte.
Ein weiterer Diskussionspunkt betrifft die Frage, welche Rolle Lipoproteine bei der Entstehung von Plaques tatsächlich spielen. Während einige Modelle davon ausgehen, dass bestimmte Lipoproteinpartikel direkt zur Plaquebildung beitragen können, argumentieren andere Forschende, dass zunächst eine Schädigung oder Entzündung der Gefässwand auftreten muss, bevor sich Lipoproteine überhaupt in der Gefässwand ablagern können. In dieser Perspektive werden Lipoproteinablagerungen teilweise eher als Folge bereits bestehender Entzündungsprozesse betrachtet.
Im Zusammenhang mit der Cholesterin-Thematik wird auch diskutiert, welche Auswirkungen sehr niedrige Cholesterinwerte auf andere Körperfunktionen haben könnten, da Cholesterin unter anderem eine wichtige Rolle bei der Bildung von Zellmembranen, Hormonen und bestimmten Stoffwechselprozessen spielt.
Einige dieser Perspektiven stellen die Rolle von Cholesterin bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen stärker infrage, während andere Forschende weiterhin von einem Zusammenhang ausgehen, jedoch betonen, dass der Kontext – insbesondere Entzündungsprozesse, Stoffwechselgesundheit und Lebensstilfaktoren – eine wichtige Rolle spielen könnte.
Vertreter der ersten Perspektive argumentieren, dass andere Faktoren möglicherweise eine zentralere Rolle bei der Entstehung von Gefässschäden spielen. Häufig genannt werden dabei unter anderem dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte, die über verschiedene Mechanismen – etwa oxidativen Stress oder Glykationsprozesse – entzündliche Veränderungen in der Gefässwand begünstigen können. Auch toxische Einflüsse wie Tabakrauch gelten als gut belegte Auslöser von Endothelschäden und chronischen Entzündungsprozessen. Darüber hinaus werden industriell hergestellte Transfette von vielen Fachorganisationen als klarer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen betrachtet und von einigen Forschenden als möglicher zusätzlicher Einflussfaktor auf die Entstehung von Arteriosklerose diskutiert.
Die Diskussion über diese verschiedenen Modelle ist weiterhin Teil der wissenschaftlichen Forschung und zeigt, dass das Verständnis der Arteriosklerose in vielen Bereichen noch weiterentwickelt wird.

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Was wir für die Prävention daraus lernen können
Unabhängig von der genauen Gewichtung einzelner Mechanismen zeigt die Forschung einen wichtigen gemeinsamen Nenner:
Viele Faktoren, die Arteriosklerose beeinflussen, stehen mit dem Lebensstil in Verbindung.
Zu den häufig genannten präventiven Faktoren gehören:
- regelmässige Bewegung
- eine ausgewogene Ernährung
- stabile Blutzuckerwerte
- ausreichend Schlaf
- Stressregulation
- der Verzicht auf Rauchen
Diese Faktoren können sowohl Entzündungsprozesse als auch die Stoffwechselgesundheit positiv beeinflussen – zwei Aspekte, die in der modernen Arterioskleroseforschung zunehmend im Fokus stehen.
Fazit
Arteriosklerose ist eine komplexe Erkrankung, deren Entstehung über viele Jahrzehnte hinweg untersucht wurde.
Während die klassische Cholesterin-Hypothese lange das dominierende Modell war, zeigen neuere Erkenntnisse, dass Entzündungen, Stoffwechselprozesse und Lebensstilfaktoren ebenfalls eine wichtige Rolle spielen können.
Die wissenschaftliche Diskussion zu diesem Thema entwickelt sich weiterhin – und zeigt, wie dynamisch medizinisches Wissen sein kann.
Ermutigend ist jedoch, dass viele der bekannten Risikofaktoren durch Lebensstil und Prävention beeinflusst werden können.


