So funktioniert die Energiebereitstellung im Körper

Ob Sprint, Spaziergang, Dauerlauf oder Krafttraining – dein Körper braucht ständig Energie. Doch wie genau stellt er diese bereit? In diesem Blog erfährst du auf verständliche Weise, wie die Energiebereitstellung funktioniert, welche Systeme beteiligt sind und was das Ganze mit einem Lagerfeuer zu tun hat.

Was bedeutet Energiebereitstellung überhaupt?

Energiebereitstellung bezeichnet die Prozesse, mit denen dein Körper den „Treibstoff“ liefert, den Muskeln und Organe für ihre Arbeit benötigen. Dabei kommen unterschiedliche Wege ins Spiel – und das gleichzeitig. Es wird also nicht ein System ausgeschaltet und ein anderes eingeschaltet, sondern die verschiedenen Pfade laufen parallel zueinander ab. Je nach Belastung verändern sich jedoch ihre Anteile fliessend.


👉 Die wichtigsten „Rohstoffe“ für diese Prozesse sind Zucker (Glukose), Fett (Fettsäuren) und Kreatinphosphat. Sie stammen einerseits aus deiner Ernährung – also aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweissen, die du über den Tag verteilt zu dir nimmst. Andererseits kann dein Körper einige dieser Stoffe auch selbst herstellen, umwandeln oder speichern – zum Beispiel Glukose in Form von Glykogen in Leber und Muskulatur oder Kreatinphosphat direkt in der Muskelzelle. Über das Blut gelangen diese Energieträger zu den Zellen, die gerade Energie benötigen – besonders häufig Muskelzellen beim Training. Dort läuft dann die eigentliche Energiebereitstellung ab.

Aerobe Energiebereitstellung – Ausdauer durch Sauerstoff

Wenn du locker joggst, spazieren gehst oder den Haushalt machst, läuft die Energiebereitstellung überwiegend aerob – also unter Einbezug von Sauerstoff. In den Mitochondrien, den sogenannten „Kraftwerken“ deiner Zellen, werden Zucker und Fett unter Sauerstoffverbrauch zu Wasser und Kohlendioxid abgebaut. Dabei entsteht viel Energie, mit der der universelle Energieträger ATP (Adenosintriphosphat) gebildet wird.


Das Ganze dauert zwar etwas länger, hält aber auch viel länger durch und ist bei längeren Aktivitäten mit tiefer Intensität dominant.

Anaerobe Energiebereitstellung – schnell, aber begrenzt

Wenn du plötzlich schnell losläufst oder intensiv trainierst, muss dein Körper sofort Energie liefern – auch wenn noch nicht genug Sauerstoff verfügbar ist. Jetzt springt die anaerobe Energiebereitstellung intensiver ein. Diese läuft direkt im Zellinneren (Zellplasma) ab und nutzt entweder Kreatinphosphat oder Glukose, um ATP zu produzieren – allerdings mit deutlich kürzerer Brenndauer.


Der Nachteil? Die Vorräte sind begrenzt, und es entstehen Stoffwechselprodukte, die die Leistung schnell einschränken können.

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Praxisbeispiel: Energiebereitstellung wie ein Lagerfeuer

Stell dir vor, du möchtest ein fast erloschenes Feuer neu entfachen. Verschiedene Brennstoffe haben dabei unterschiedliche Wirkungen – genau wie die verschiedenen Wege der Energiebereitstellung in deinem Körper:

  • 🔹 Kreatinphosphat (anaerob – ohne Sauerstoff) ist wie ein Brandbeschleuniger: sehr schnell, aber nur für wenige Sekunden. Das nutzt dein Körper zum Beispiel bei einem kurzen, explosiven Sprint über 100 Meter.
  • 🔹 Glukose (anaerob – ohne Sauerstoff) gleicht Zeitungspapier: brennt etwas länger, aber ist schnell erschöpft. Dies kommt bei mittleren Belastungen wie einem 800-Meter-Lauf zum Einsatz.
  • 🔹 Glukose (aerob – mit Sauerstoff) wirkt wie kleines Anzündholz: braucht etwas mehr Zeit, ist aber schon recht effizient und hält einige Minuten. Ein typisches Beispiel wäre ein 3.5-Kilometer-Lauf im mittleren Tempo.
  • 🔹 Fett (aerob – mit Sauerstoff) entspricht einem grossen Holzstück: braucht am längsten, um zu entflammen, aber hält dafür richtig lange durch. Dein Körper nutzt diesen Weg bei längeren Ausdauerbelastungen wie einem Marathon.

Und wichtig: Auch wenn zu Beginn das „Brandbeschleuniger-System“ aktiv ist, werden gleichzeitig schon kleinere und grössere Holzstücke dazugelegt – genau wie dein Körper von Anfang an alle Systeme nutzt, nur in unterschiedlichem Ausmass.

Trainingsbezug: Was heisst das für dein Workout?

Je nachdem, was du trainieren möchtest, solltest du gezielt unterschiedliche Wege der Energiebereitstellung ansprechen:

  • Anaerob-alaktazide Belastungen (Kreatinphosphat-System): Für Schnellkraft und Explosivität – z. B. kurze Sprints, Sprünge oder schweres Krafttraining mit wenigen Wiederholungen. Trainiere mit sehr hoher Intensität und langen Pausen (z. B. 1–2 Reps mit mindestens 2–3 Minuten Pause), damit sich das Kreatinphosphat wieder regenerieren kann.
  • Anaerob-laktazide Belastungen (Glukose ohne Sauerstoff): Für Tempoausdauer, Intervalltraining oder längere Belastungen von 30 bis 120 Sekunden. Typisch sind z. B. 200–800-Meter-Läufe, HIIT-Einheiten oder auch Krafttraining im Hypertrophiebereich mit mittlerer Last und hoher Wiederholungszahl und/oder unvollständigen Pausen. Der Körper lernt, mit Laktat umzugehen und seine Leistungsfähigkeit zu verbessern.
  • Aerobe Belastungen (Fett- und Glukoseverbrennung mit Sauerstoff): Für Grundlagenausdauer, Fettstoffwechsel und Erholung. Trainiere mit mittlerer bis tiefer Intensität über längere Zeit – ideal sind lockere Dauerläufe, längeres Radfahren oder Walking. Dadurch verbessert sich die mitochondriale Leistungsfähigkeit und die Energiegewinnung aus Fett.

Ein ausgewogener Trainingsplan berücksichtigt alle Energiesysteme – abgestimmt auf dein Ziel, deinen Leistungsstand und deine Regenerationsfähigkeit.


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Fazit: Alles läuft zusammen – aber nicht gleich stark

Die verschiedenen Systeme der Energiebereitstellung ergänzen sich optimal. Je nach Belastung übernimmt mal das eine, mal das andere System die Hauptrolle. Aber: Alle sind immer ein Stück weit aktiv. Dein Körper ist ein echtes Multiwerkzeug in Sachen Energie – effizient, flexibel und anpassungsfähig.


👉 Deshalb macht es im Training Sinn, gezielt verschiedene Energiesysteme zu fordern – für eine ganzheitliche Leistungsentwicklung, mehr Ausdauer, mehr Explosivität und eine bessere Regenerationsfähigkeit.

👉 Wichtig dabei: Auch Training im aeroben Bereich kann – richtig dosiert – deine Leistung im anaeroben Bereich verbessern, und umgekehrt. Die Energiesysteme beeinflussen sich gegenseitig, weshalb ein vielseitiges Training langfristig am effektivsten ist.

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