Die Vorstellung, dass Fett schädlich für Herz und Gefässe sei, entstand im frühen 20. Jahrhundert. Damals beobachteten Forschende bei Tierversuchen, dass eine stark cholesterinreiche Ernährung zu Gefässveränderungen führen kann. Diese Beobachtung wurde später auf den Menschen übertragen – obwohl sie ursprünglich bei Pflanzenfressern gemacht wurde.
In der Mitte des Jahrhunderts wurde daraus die sogenannte „Fett-Hypothese“: Je mehr Fett man isst, desto grösser sei das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Idee prägte über Jahrzehnte Ernährungsrichtlinien, Lehrbücher und öffentliche Kampagnen – oft ohne klare wissenschaftliche Beweise.
Ernährungsempfehlungen und die fettarme Wende
In den 1970er-Jahren wurde in mehreren westlichen Ländern erstmals offiziell empfohlen, Fett stark zu reduzieren und den Anteil an Kohlenhydraten zu erhöhen. Damit sollte das Risiko für Herzkrankheiten sinken.
In den folgenden Jahrzehnten wurde diese Empfehlung weltweit übernommen – fettarme Produkte galten als gesund, während Butter, Fleisch oder Eier als riskant galten.
Doch rückblickend zeigt sich:
Obwohl der Fettkonsum sank, nahmen Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen weiter zu. Gleichzeitig stieg der Konsum von Zucker und verarbeiteten Kohlenhydraten deutlich an.

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Was spätere Forschung zeigte
Ab den 2000er-Jahren wurden viele dieser alten Annahmen erneut untersucht – diesmal in deutlich grösseren, internationalen Studien.
Die Ergebnisse zeigten:
- Der Gesamtfettanteil in der Ernährung steht nicht automatisch mit höherem Krankheitsrisiko in Zusammenhang.
- Eine sehr kohlenhydratreiche Ernährung kann langfristig sogar ungünstiger sein, insbesondere wenn sie viele raffinierte Produkte enthält.
- Entscheidend ist nicht, wie viel Fett man isst, sondern welche Art.
Diese Erkenntnisse führten in vielen Ländern zu einer Neubewertung: Fett ist nicht grundsätzlich ungesund, sondern ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung.
Fett ist lebensnotwendig
Fett liefert Energie, schützt Organe, dient als Baustoff für Zellmembranen und ist wichtig für die Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K). Zudem spielt es eine zentrale Rolle bei der Hormonbildung und bei Entzündungsprozessen.
Heute unterscheidet man:
Gesättigte Fette
Kommen vor allem in tierischen Produkten wie Butter, Fleisch und Milch vor. In massvollem Konsum gelten sie nicht als gesundheitsschädlich, wenn sie Teil einer insgesamt ausgewogenen Ernährung sind.
Ungesättigte Fette
Stecken in pflanzlichen Ölen, Nüssen, Avocados oder fettem Fisch. Sie unterstützen Herz- und Stoffwechselgesundheit und gelten als besonders wertvoll.
Transfette
Entstehen bei der industriellen Härtung von Ölen oder beim Frittieren. Sie gelten als nachweislich ungesund und sollten möglichst vermieden werden.
Was wir daraus lernen können
Die Angst vor Fett entstand aus einer Kombination aus frühen Beobachtungen, politischem Handlungsdruck und vereinfachten Botschaften. Ernährung wurde auf einzelne Nährstoffe reduziert – und dabei ging verloren, dass es um das Gesamtbild geht.
Heute ist klar:
- Fett ist ein essentieller Bestandteil einer gesunden Ernährung.
- Qualität, Herkunft und Verarbeitung sind entscheidender als die reine Menge.
- Ein moderater Fettanteil mit Schwerpunkt auf natürlichen und unraffinierten Quellen unterstützt die Gesundheit.
Fazit: Zurück zu einem natürlichen Verhältnis
Nach Jahrzehnten der Verunsicherung lässt sich sagen: Fett ist weder Feind noch Wundermittel – sondern ein zentraler Nährstoff, der mit Bedacht gewählt werden sollte.
Wenn du Fett aus natürlichen Quellen, in massvoller Menge und als Teil einer ausgewogenen Ernährung konsumierst, kann es dich in deiner Gesundheit und Leistungsfähigkeit unterstützen.
Weniger Angst, mehr Bewusstsein – das ist der Schlüssel zu einem gesunden Verhältnis zu Fett.



