Über 15'000 erfolgreiche Absolventen
NeuPilates Reformer Instruktor

Tennisarm und Golferarm: der Unterschied im Ellbogen

Tennisarm und Golferarm – zwei Begriffe, die jeder schon gehört hat und die trotzdem fast immer durcheinandergehen. Dabei ist der Unterschied simpel und liegt ausschliesslich in der Anatomie: Die eine Beschwerde sitzt aussen am Ellbogen, die andere innen, und sie betreffen zwei verschiedene Muskelgruppen des Unterarms. Für die Arbeit auf der Trainingsfläche ist das mehr als eine Begriffsklärung, denn die beiden reagieren auf unterschiedliche Bewegungen. Was sie gemeinsam haben: Diagnose und Behandlung gehören in ärztliche oder physiotherapeutische Hände – dein Teil ist das Training drumherum.

Zwei Namen, ein Schmerzsyndrom

Fachlich heisst das Ganze Epicondylitis. Die Epicondylitis ist ein umschreibendes Schmerzsyndrom des radialen oder ulnaren Ellenbogens – also der Aussen- oder der Innenseite. Sie tritt chronisch und erworben auf und gilt als behandelbar. Man unterscheidet generell zwei Schmerzsyndrome, und die volkstümlichen Namen sagen nichts über die Sportart aus, in der sie entstanden sind. Die meisten Betroffenen, die dir im Studio begegnen, haben weder Tennis noch Golf gespielt.

Epicondylitis lateralis – der Tennisellenbogen

Hier handelt es sich um eine Überlastung der Handextensoren, also der Unterarmstreckmuskulatur. Diese Muskeln entspringen an der Aussenseite des Ellbogens, und genau dort kommt es zu starken Schmerzen. Beteiligt sind alle Bewegungen, bei denen das Handgelenk gegen einen Widerstand gestreckt oder stabilisiert wird – vom Greifen und Halten über Zugbewegungen bis zur Arbeit mit der Maus oder dem Schraubenzieher.

Epicondylitis medialis – der Golferellenbogen

Hier handelt es sich um eine Überlastung der Handflexoren, also der Unterarmbeugemuskulatur. Diese Muskeln entspringen an der Innenseite des Ellbogens, und dort entstehen die starken Schmerzen. Ursache ist oft eine Überbeanspruchung dieser Muskelgruppe. Typisch sind kräftiges Zugreifen, festes Halten und alles, was das Handgelenk gegen Widerstand beugt.

Die Merkhilfe ist damit unspektakulär, aber zuverlässig: Streckmuskulatur – aussen – Tennisellenbogen. Beugemuskulatur – innen – Golferellenbogen.

Wie es dazu kommt

Die Überbeanspruchung führt zu einer Entzündung des Sehnenansatzes. Als Ursachen gelten drei Dinge, und alle drei sind im Fitnessalltag gut wiederzuerkennen: eine schlecht ausgereifte Technik, falsches Material und Überlastungen, etwa durch das kurzfristige Erhöhen der Trainingszeiten. Genannt werden dafür Trainingslager, Kurse und Ferien – also jene Phasen, in denen plötzlich deutlich mehr trainiert wird als sonst.

Übersetzt auf die Trainingsfläche heisst das: Nicht die einzelne Übung ist der Auslöser, sondern der Sprung im Umfang. Wer über Monate zweimal pro Woche trainiert und dann eine Woche lang täglich, ändert genau die Variable, die als Ursache gilt. Dasselbe gilt für den Griff: Wenn eine Technik nicht sitzt und das Handgelenk die Arbeit übernimmt, die eigentlich aus der Schulter kommen sollte, landet die Last dort, wo sie nicht hingehört.

Hier lohnt sich ein Blick auf einen Grundsatz aus der Geräteinstruktion, der im Zusammenhang mit dem Ellbogen selten erwähnt wird: Die Handgelenke sind stabilisiert, und die Griffe werden generell locker gehalten – ausser bei Übungen auf Zug. Wer jede Stange dauerhaft umklammert, hält die Unterarmmuskulatur über die gesamte Serie unter Spannung, obwohl sie gar nicht der Zielmuskel ist.

Was in der Behandlung passiert – und was davon dich betrifft

Die Behandlung beginnt damit, die Belastung zu reduzieren. Dazu kommen das Ausmassieren von Verspannungen und konsequentes Dehnen. Diese Massnahmen werden therapeutisch begleitet; sie sind nicht deine Zuständigkeit, aber du solltest wissen, dass sie laufen, damit dein Training nicht dagegen arbeitet. Wie sich Dehnen und Längentraining unterscheiden, erklärt der Beitrag Dehnen vs. Längentraining.

Der spannendste Punkt betrifft die Kräftigung der Unterarmmuskulatur. Dazu gilt: Es konnte bisher mehrfach gezeigt werden, dass langsame, exzentrische Bewegungen mit relativ viel Gewicht beim Training der betroffenen Muskelgruppen einen günstigen Einfluss auf Sehnenansatz und Sehne haben. Das ist bemerkenswert, weil es der ersten Intuition widerspricht: Der gereizte Bereich wird nicht einfach ruhiggestellt, sondern gezielt und langsam belastet – in der nachgebenden Phase der Bewegung. Was «langsam» und «relativ viel Gewicht» im Einzelfall heisst, legt die behandelnde Fachperson fest, nicht der Trainingsplan. Wenn du die Kontraktionsformen dahinter auffrischen willst, hilft der Beitrag Konzentrisch, exzentrisch, isometrisch: Muskelkontraktionen im Training erklärt.

Der andere Ellbogenschmerz: Bursitis olecrani

Nicht jeder Ellbogenschmerz ist eine Epicondylitis. Die Bursitis olecrani ist eine Schleimbeutelreizung des Ellbogens und wird meist durch einen Sturz auf den Ellbogen oder durch wiederholt starke Kompressionen ausgelöst – zum Beispiel durch starkes Aufstützen. Sie kann akut und traumatisch oder chronisch und repetitiv auftreten.

Das Bild ist deutlich: Es kann zu einer massiven Schwellung über dem Olecranon kommen, einer weichen Verdickung in der Grösse eines Eis über der Ellbogenspitze. Der Ellbogen ist extrem schmerzempfindlich und reagiert mit starken Schmerzen auf Druck, etwa beim Aufstützen; der gesamte Bereich kann stark gerötet sein. In diesem Fall empfiehlt es sich, den Arzt zu konsultieren – das ist keine Situation, in der du das Training anpasst und abwartest.

Behandelt wird mit schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten und allenfalls sogar mit Antibiotika, in einigen Fällen wird der Schleimbeutel operativ entfernt. Die Entzündung dauert üblicherweise rund ein bis zwei Wochen. Während einer akuten Entzündung ist auf ein Training der oberen Extremitäten zu verzichten. Nach einer Operation dauert die Pause vier bis sechs Wochen, danach kann das Training ungehindert wieder aufgenommen werden; der Ellbogen sollte wenn möglich nicht direkt mit Druck belastet werden. Die Prophylaxe der nicht traumatischen Form besteht darin, die ersten Symptome zu erkennen und entsprechend zu handeln, also Druck zu vermeiden.

Welche Übungen im Studio betroffen sind

Das Übungsportfolio der update Akademie führt bei jeder Übung einen Vorsichtsvermerk mit. «Bei Ellbogenbeschwerden» steht dort bei einer ganzen Reihe von Übungen, und sie verteilen sich über mehrere Muskelgruppen: bei Druckübungen wie dem Bankdrücken auf der Flachbank und der Brustpresse mit Kurzhanteln, bei Zugübungen wie dem Ruderzug mit der Langhantel sowie durchgehend bei den Arm-Übungen – Trizeps am Kabelzug, Trizeps über Kopf mit Kurzhantel, Kickback und Bizeps mit der SZ-Stange.

Das Muster dahinter ist nützlicher als die Liste: Betroffen sind Übungen, bei denen das Ellbogengelenk der bewegte Drehpunkt ist oder unter Last stabilisiert werden muss. Wenn ein Gast über Ellbogenschmerzen klagt, schaust du also zuerst dort hin – und nicht auf die Beinübungen.

Was du anpasst und wo deine Rolle endet

Die update Akademie bildet Trainerinnen und Trainer aus, keine Therapeutinnen und Therapeuten. Ob hinter einem Schmerz an der Ellbogenaussenseite eine Epicondylitis lateralis steckt oder etwas anderes, entscheidet keine Beobachtung auf der Trainingsfläche. Was du tun kannst, ist klar umrissen: Beschwerden ernst nehmen und dokumentieren, bei Schwellung, Rötung und starkem Druckschmerz auf eine ärztliche Abklärung hinwirken, während einer akuten Entzündung nicht die obere Extremität trainieren, Umfangssprünge vermeiden und die Technik prüfen – insbesondere Griffdruck und Handgelenksstellung. Und nach der Abklärung arbeitest du innerhalb dessen, was von ärztlicher oder physiotherapeutischer Seite freigegeben wurde.

Was du nicht tust: eigenständig ein exzentrisches Aufbauprogramm für eine gereizte Sehne ansetzen, den Schmerz «wegtrainieren» oder eine Schwellung als Trainingszustand behandeln. Vorbeugend zahlt sich aus, was ohnehin gute Trainingsarbeit ist – ein sauber aufgebauter Umfang und eine Technik, die das Handgelenk nicht zur heimlichen Hauptlast macht. Dazu passt der Beitrag Wie dein Beweglichkeitstraining Verletzungen vorbeugen kann.

Ausbildungs-Tipp der update Akademie: Wer Gäste mit Beschwerden begleitet, braucht die Krankheitsbilder strukturiert im Kopf – samt der Frage, wann das Training endet und die Abklärung beginnt. Der Lehrgang Gesundheitstrainer/in mit SVBO-Branchenzertifikat vertieft genau diese Schnittstelle zwischen Training und Gesundheit. Wer gezielt die Krankheitsbilder des Bewegungsapparats nachholen will, findet sie im Workshop Die Pathophysiologie – Vertiefung zu gesundheitlichen Einschränkungen.

Häufige Fragen zu Tennisarm und Golferarm

Was ist der Unterschied zwischen Tennisarm und Golferarm?

Der Tennisellenbogen ist eine Epicondylitis lateralis, also eine Überlastung der Handextensoren mit starken Schmerzen an der Aussenseite des Ellbogens. Der Golferellenbogen ist eine Epicondylitis medialis, eine Überlastung der Handflexoren mit Schmerzen an der Innenseite. Der Unterschied liegt damit in der betroffenen Muskelgruppe und der Seite, nicht in der Sportart.

Muss man dafür Tennis oder Golf spielen?

Nein. Beide Namen sind volkstümliche Bezeichnungen für Überlastungssyndrome des Sehnenansatzes. Als Ursachen gelten eine schlecht ausgereifte Technik, falsches Material und Überlastungen, etwa durch kurzfristig erhöhte Trainingszeiten in Trainingslagern, Kursen oder Ferien.

Darf man mit einem Tennisarm Krafttraining machen?

Das entscheidet die ärztliche oder physiotherapeutische Abklärung, nicht der Trainingsplan. Grundsätzlich beginnt die Behandlung mit einer Reduktion der Belastung. Ein Wiederaufbau der Unterarmmuskulatur erfolgt begleitet und dosiert, nicht als eigenständiger Versuch auf der Trainingsfläche.

Warum wird bei Sehnenansatzbeschwerden exzentrisch trainiert?

Es konnte mehrfach gezeigt werden, dass langsame, exzentrische Bewegungen mit relativ viel Gewicht beim Training der betroffenen Muskelgruppen einen günstigen Einfluss auf Sehnenansatz und Sehne haben. Belastet wird dabei vor allem die nachgebende Phase der Bewegung. Die konkrete Dosierung gehört in die Hände der behandelnden Fachperson.

Was ist eine Bursitis olecrani?

Das ist eine Schleimbeutelreizung an der Ellbogenspitze, meist ausgelöst durch einen Sturz auf den Ellbogen oder durch wiederholt starkes Aufstützen. Typisch ist eine weiche Schwellung über dem Olecranon, die extrem druckempfindlich und teils stark gerötet ist. In diesem Fall gehört der Ellbogen ärztlich beurteilt, und während der akuten Entzündung wird die obere Extremität nicht trainiert.

Fazit

Tennisarm und Golferarm unterscheiden sich anatomisch klar: Streckmuskulatur und Aussenseite auf der einen, Beugemuskulatur und Innenseite auf der anderen. Entstanden sind sie meist nicht durch eine falsche Übung, sondern durch eine Kombination aus Technik, Material und einem zu schnellen Sprung im Trainingsumfang. Im Studio betreffen sie vor allem Druck-, Zug- und Armübungen, bei denen der Ellbogen unter Last arbeitet. Deine Rolle ist es, solche Muster zu erkennen, das Training anzupassen und rechtzeitig weiterzuverweisen. Die Beurteilung des Sehnenansatzes und die Behandlung bleiben ärztlich und physiotherapeutisch.

Hast du eine Frage?