Über 15'000 erfolgreiche Absolventen
    Kompetente Ausbildner mit viel Praxiserfahrung
    100% flexible Ausbildung

Interference im Training – wenn Kraft und Ausdauerreize sich beeinflussen

Viele Menschen kombinieren Kraft- und Ausdauertraining. Man möchte stark, leistungsfähig und belastbar sein – oft auch aus Zeitgründen in denselben Trainingseinheiten. Trotzdem erleben einige, dass der Muskelaufbau stagniert, obwohl regelmässig trainiert wird. Genau hier setzt ein Konzept an, das in der Trainingswissenschaft als Interference bezeichnet wird.

Interference beschreibt, dass sich bestimmte Trainingsreize gegenseitig beeinflussen können. Besonders relevant wird dies dann, wenn derselbe Muskel innerhalb kurzer Zeit sowohl intensivem Krafttraining als auch intensivem Ausdauertraining ausgesetzt wird. Das bedeutet nicht, dass kombiniertes Training grundsätzlich schlecht ist – wohl aber, dass die Trainingsziele klar sein sollten.

Was mit Interference im Training gemeint ist

Der Begriff Interference stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Beeinträchtigung. Im Trainingskontext meint er die Beeinträchtigung der Muskelproteinsynthese – also jenes Prozesses, durch den der Körper neue Muskelproteine bildet und Muskelgewebe aufbaut.

Konkret heisst das:
Erfährt ein Zielmuskel innerhalb von Minuten oder wenigen Stunden sowohl einen starken Kraftreiz als auch einen starken Ausdauerreiz, kann der Muskel zwar funktionell belastbarer werden, baut aber weniger neue Muskelmasse auf als bei reinem Krafttraining.

Warum Kraft- und Ausdauertraining sich gegenseitig beeinflussen können

Krafttraining verfolgt ein klares Ziel: Der Muskel soll stärker und widerstandsfähiger werden. Dafür reagiert der Körper mit einer erhöhten Herstellung von Muskelprotein. Diese Muskelproteinsynthese ist eine zentrale Voraussetzung für Muskelwachstum.

Intensives Ausdauertraining setzt jedoch einen anderen Schwerpunkt. Es erzeugt einen hohen Energiestress. Der Körper wird gezwungen, Energie effizient bereitzustellen und sparsam damit umzugehen. Dafür werden andere molekulare Signalwege aktiviert als beim klassischen Muskelaufbau.

Treffen diese beiden Reize zeitlich sehr nah aufeinander, kann der Energiestress aus dem Ausdauertraining jene Prozesse bremsen, die eigentlich für den Muskelaufbau zuständig wären. Genau diese Überschneidung bezeichnet man als Interference-Effekt.

Fitnesstrainer Ausbildung

Möchtest du dein Hobby ebenfalls zum Beruf machen?

Entdecke die verschiedenen Ausbildungsprogramme der update Akademie und qualifiziere dich zum Fitnesstrainer oder zur Fitnesstrainerin!

Was das für Kraftentwicklung bedeutet

Wichtig ist eine klare Differenzierung:
Interference betrifft in erster Linie den Muskelaufbau, nicht zwingend die Kraftfähigkeit.

Kraft entsteht nicht nur durch Muskelmasse, sondern auch durch neuronale Anpassungen. Gemeint ist damit die Fähigkeit des Nervensystems, Muskeln effizient anzusteuern, mehr Muskelfasern gleichzeitig zu aktivieren und Spannung besser aufzubauen. Diese neuronale Komponente der Kraft wird durch kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining kaum beeinträchtigt.

Praktisch bedeutet das:
Du kannst stärker, stabiler und leistungsfähiger werden, ohne zwingend sichtbar mehr Muskelmasse aufzubauen. Genau darin liegt der Nutzen eines Interference-orientierten Trainings – wenn das Ziel nicht primär Hypertrophie ist.

Wie ein Interference-orientiertes Krafttraining aussehen kann

Im Krafttraining wird der Zielmuskel zunächst gezielt unter Spannung gesetzt. Häufig werden 6 bis 10 Wiederholungen mit einem bewusst langsamen, kontrollierten Tempo ausgeführt. Dabei geht es weniger um maximale Gewichte, sondern um lange Spannungsdauer.

Beim Anheben des Gewichts verkürzt sich der Muskel unter Spannung – das ist die sogenannte konzentrische Phase. In der Endposition wird das Gewicht kurz gehalten, der Muskel bleibt angespannt, ohne seine Länge zu verändern. Diese haltende Arbeit nennt man isometrisch. Beim anschliessenden Absenken arbeitet der Muskel bremsend und verlängert sich dabei – eine exzentrische Phase. Auch in der gedehnten Position kann die Spannung kurz gehalten werden, bevor die nächste Wiederholung beginnt.

Durch dieses Zusammenspiel aus Verkürzen, Halten, Verlängern und erneutem Halten entsteht eine Spannungsdauer von etwa 60 bis 100 Sekunden. Der Muskel wird mechanisch stark gefordert, ohne dass extreme Lasten nötig sind.

Der zweite Reiz: gezielter Energiestress

Im Anschluss an das Krafttraining – oder zeitlich sehr nahe daran – wird derselbe Muskel einem intensiven Ausdauerreiz ausgesetzt. Besonders geeignet sind hochintensive Intervallformen, bei denen der Energiestress bewusst hoch ist.

Dieser Energiestress aktiviert Anpassungen, die die metabolische Leistungsfähigkeit verbessern, gleichzeitig aber den Aufbau von neuem Muskelprotein bremsen können. Genau hier entsteht der Interference-Effekt: funktionelle Leistungsfähigkeit steigt, der Muskelaufbau bleibt jedoch begrenzt.

Für wen diese Trainingsform sinnvoll sein kann

Ein Interference-orientierter Trainingsansatz ist kein Fehler, sondern ein gezieltes Werkzeug. Er kann besonders sinnvoll sein für Personen, die:

  • Kraft entwickeln möchten, ohne deutlich an Muskelmasse zuzulegen
  • funktionell leistungsfähig bleiben wollen
  • Kraft- und Ausdaueranforderungen kombinieren müssen (z. B. Spielsportarten)
  • wenig Trainingszeit haben
  • Wert auf Belastbarkeit statt maximalen Muskelzuwachs legen

Für klassischen Muskelaufbau mit Fokus auf maximale Hypertrophie ist diese Trainingsform hingegen weniger geeignet.

Fazit – Interference bewusst nutzen statt vermeiden

Interference bedeutet nicht, dass Kraft- und Ausdauertraining nicht kombinierbar sind. Es bedeutet, dass unterschiedliche Trainingsreize unterschiedliche Anpassungen auslösen – und sich teilweise gegenseitig beeinflussen.

Wer Muskelaufbau priorisiert, sollte intensives Kraft- und Ausdauertraining zeitlich trennen. Wer hingegen Kraft, Stabilität und metabolische Leistungsfähigkeit kombinieren möchte, kann gezielt von Interference-Effekten profitieren.

Entscheidend ist nicht die Trainingsform an sich, sondern die Klarheit über das Trainingsziel.

Werde Fitnesstrainer:in

Verwandle deine Leidenschaft in eine Karriere!

Erkunde die vielseitigen Ausbildungsprogramme der update Akademie und qualifiziere dich zum Fitnesstrainer!